Frischfisch

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Tau: Das Theaterschiff im Urbanhafen ist verschwunden

Das ehemalige „Haifischbecken“ ist weg. Wer am Urbanhafen vorbeiläuft ist wahrscheinlich verwundert das dort was fehlt. Das Theaterschiff TAU wurde diese Woche vom Bezirk entfernt. Erst wurden der hässliche Wintergartenaufbau entfernt, was allerdings nicht reichte um den ollen Kahn unter den Brücken am Landwehrkanal zu schippern. So wurde mit Schweißbrennern das halbe Dach weggeschweißt bis der Kahn die Maximalhöhe erreicht hatte. Ein Industriedrücker kam dann den Kanal herunter, dockte an die TAU an und schob diese dann den Kanal hoch. Sie liegt jetzt im Wartungshafen und wartet auf die Abwrackung.Das Theaterschiff war in letzter Zeit sehr umstritten. Es diente nur noch als Absteige für Obdachlose und Touristen, die dort auch gern mal eine verranzte Party gefeiert haben. Innerhalb von ein paar Jahren ging es mit dem Schiff nur noch bergab. Es war Plakatwand für Graffitisprayer oder einfach eine Randaleobjekt. Es war eigentlich schon alles zertreten worden was man kaputt machen konnte. Der Bezirk argumentierte mit der Entfernung das es viel zu gefährlich sei das Schiff zu betreten. Mag sein das sie Recht hatten, Ich dachte es verschwindet nie. Ich hatte auch kurz überlegt den Kahn zu kaufen und ein Hausboot draus zu bauen. Nun ist es weg. Vermissen wird es wohl niemand.

Hier ein Video von einer Band die das TAU als Kulisse missbraucht (echt unperfomantes Video!):

Ade Theaterschiff. Wir haben gerne am Urbanhafen gesessen und auf das Schiff geschaut. Nun ist es weg und wenn ich ehrlich bin: Uns fehlt es doch.

Hier weitere Meisterwerke zum TAU:

Stimmen zum Schandfleck im Urbanhafen

Urbanpiraten

typisch „Deutsche Spießerstimme“ zum Urbanhafen

Wiki-Übersicht über alle Theaterschiffe

Geile Aktion:  LED Throwies am TAU


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U-Bhf Südstern hieß früher Hasenheide

Es wird mal wieder saniert. Nachdem der U Bhf Südstern schon vor zwei Jahren komplett über und unter der Erde saniert wurde ist nur innerhalb der Bahnhofs der komplette Verputz runter gehämmert worden. Was da zum Vorschein kam sehen sie in der Galerie.

Wikipedia: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=U-Bahnhof_S%C3%BCdstern&stable=1


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Nerd School

Nerd School am Spreewaldbad am 21.06. zur Fete de la Musique in Berlin

Die beiden Jungs von Nerd School hab ich das erste Mal bei der Fete de la musique 2010 sehen können. Ich fand die damals schon gut und freute mich daß sie auch dieses Jahr an der selben Stelle zu finden waren und hab mir das komplette Set angeschaut. Hat ordentlich gerockt!!! Weite so und bitte nächstes wieder am Spreewaldbad. Ich wär dabei 😉


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Die Stichlinge sind wieder da!

Fortsetzung:

Sie sind wieder da! Die Stichlinge (Gasterosteus aculeatus) auf dem Kreuzberg haben den Weg aus dem Berg gefunden und schwimmen schon wieder munter im unteren Becken.

Ich hatte ja letzten Herbst zwei Pärchen von den „Kreuzberg“- Stichlingen aus dem trockenen Laub gerettet. Die 4 durften in meinem Balkonteich überwintern und hatten ordentlich Apettit und haben bei mir massenweise Lebenfutter bekommen.


Die hatten wir, nachdem noch keine Bestandsstichlinge zu sehen waren dort wieder am 14.05.2011 unter den Augen einiger Schaulustiger  ausgesetzt. Zuerst testeten wir aber die Wasserwerte. Der Wasserfall wird mit Berliner Leitungswasser gespeist. Der hohe Leitwert verrät es eindeutig. Der ist ähnlich dem, was hier aus der Leitung tropft. Also sehr kalkhaltiges und sehr erdalkaliionenreiches Wasser. Da ich die Ursprungspopulation nicht entdecken konnte machte ich mir natürlich Sorgen über den Verbleib.

Heute (03.06.2011) fand mein erster Kontrollgang statt. Es liegt schon haufenweise Müll im Wasserfall. 1Euro Jobber putzen gerade die Spuren vom letzten Wochenende weg. Die Sonne scheint und ich hab alle Ebenen des Wasserfalls abgesucht. Da, wo wir die Stichlinge ausgesetzt hatten schwimmen inzwischen ein paar juvenile Stichlinge rum. Die sind noch so winzig das ich sie nicht fotografieren konnte. Vermutlich die ersten Ableger von meinen geretteten Fischen.

Im unteren Becken allerdings haben sich schon viele Stichlinge versammelt und auch schon fleißig Nester gebaut. Die Jungfische sind schon halb so groß wie die Elternfische, d. h. das können keine Nachkommen von mir sein. Das müssen welche aus dem Berg sein! Darüber freue ich mich natürlich riesig. Sie sind wieder da und der Wasserfall am Victoriapark  führt wieder die natürliche Population. Das Leben sucht sich eben immer einen Weg. Wie oft musste ich das inzwischen schon feststellen.

Kaulquappen einer Hyla Art

Wasserfall mit 1/4s Verschlusszeit fotografiert

Da sind sie wieder!

MISTER MN


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Wer ist MISTER MN? Die Stadt sucht einen Sprayer.

Sonnenscheinspaziergänge durch Kreuzbergs Kiez nutze ich oft um Fotos zu schießen und den Strassenflair ein wenig einzufangen. In den letzten Wochen ist mir häufiger ein Tagger aufgefallen, der gerne auf wild entsorgte Kühlschränke taggt. Sein Pseudonym:

MISTER MN

In der Nähe der Hasenheide fiel mir ein Kühlschrank auf. Schön bunt getaggt mit Unterschrift von dem mysteriösen MISTER MN.

Mister Mn Fridge
Mister MN Fridge

Das jemand durch  Kreuzberg läuft und den illegal entsorgten Sperrmüll taggt find ich ja gut.
Sperrmüll wächst in Kreuzberg über Nacht am Straßenrand und in dunklen Ecken wo nachts keiner sein will. Morgens steht dann überraschenderweise eine komplett runtergeranzte Kücheneinrichtung am nächsten Baum und niemand hat gesehen wie es gewachsen ist. Räumt man das nicht binnen weniger Tage weg, vermehrt sich das ungewollt. Matrazen und inzwischen auch ganz oft noch intakte Röhrenfernseher gesellen sich in den nächsten Tagen zu dieser Einrichtung. Einfach grausam ausgesetzt. Wer adoptiert noch Röhrenfernseher heutzutage?

Aber zurück zu MISTER MN.
In „meinem“ Kiez muss der nachts unterwegs sein. Im „Gräfekiez“ war ich heute mal wieder spazieren bis runter zur Hasenheide.  Der Kühlschrank steht nicht mehr da. Da liegt jetzt nur eine lausige Schrankwand die keiner mehr haben will. Es ist zwar mieses Licht um Fotos zu machen, aber dank digitaler Technik werden die Bilder trotzdem was und es dauerte auch nicht lange um MISTER MN’s Spuren zu verfolgen. Janstraße…. ein getaggter Kühlschrank. Nicht so schick wie der letzte, aber der Tagg kommt mir bekannt vor. Wenn das nicht die Spur von MSTER MN ist? Zwar hat er nicht signiert diesmal, aber die Sprache ist eindeutig wie mir scheint. Das ist seine Handschrift.
Ich setzte meine Weg weiter fort und laufe Richtung Zickenplatz. Da war MISTER MN auch schon. Breit und Fett auf der Hauswand:
Das is diesmal aber kein Sperrmüll.  Breit die Hauswand verschönert. Die ist eh schon total zugetaggt und das Haus will eh keiner streichen. Lohnt sich nicht in Kreuzberg wenn man nicht für tausende von Euros eine Spezial-Anti-Graffiti-Beschichtung auf die Wand aufbringt. Da haben die Hausbesitzer irgendwie recht. Schafft bloss keine Freiflächen für böse Tagger.
Es gibt aber trotzdem genug freie Fläche die man
zusprühen kann. Und das weiß auch unser MISTER MN, sowie alle anderen Tagger aus der Gegend. Irgendwann fällt auch die beste  Farbe vom Putz und dann ist wieder Platz für Neues.
Immer noch Janstraße am Zickenplatz. MISTER MN hat sich hier alle 30 meter irgendwo verewigt. Jetzt gehen wieder die Diskussionen los wegen Sachbeschädigung, Kiezverschandelung (was für ein Wort)und aufgebrummte Sozialstunden vom Gericht. Von mir aus kann der taggen wo er will. So richtig die Sau rausgelassen hat er nocht nicht. Zumindest hab ich nix gesehen. Es gibt einige Tagger wo ich den Kopf schüttele. Grade auf Statuen und Skulpturen (sei es Kunst oder nicht) finde ich die Taggerei nicht gut. Guckt euch mal die Wassertöpfe am Marheinekeplatz an. Die Taggs sind schaize und völlig fehl am Platz. Das hat da nix verloren. Kunst, Kultur und Denkmäler sollte man in Ruhe lassen. Öde Beton- und Hauswände schreien dagegen ja förmlich nach Farbe. Das weiß auch  MISTER MN.
MISTER MN - Hasenheide
Hasenheide kurz vor der BAUHAUS Ausfahrt auf der rechten Seite find ich ihn wieder. Ich bin auf dem Weg zum Fitnessstudio und da sticht mir sein Tagg wieder ins Auge. Kamera raus und knips.
Da war er auch schon öfters wie man sieht. Die Werbetafel auf dem Bauhaus Parkplatz ist auch von ihm.

Irgendwann werde ich das Rätsel lösen wenn man mich lässt. Eventuell verschwindet MISTER MN genauso schnell wieder wie er aufgetaucht ist. Wer weiß ob sich das Rätsel jemals lösen lässt?
Ich jedenfalls erkenne seine Tags inzwischen auch ohne Signatur. Sollten Sie MISTER MN irgendwo sehen, wo ich noch nicht fotografiert habe, würde ich mich über einen Kommentar von Ihnen (mit Ortsangabe) freuen.
Nachtrag (18.01.2011)
Beim Spaziergang durch 36 im Bereich des Landwehrkanals findet man öfter seine Handschrift.
Mein Weg führte mich erst durch Kreuzkölln
bis zum Kanal. Dann über die Reichenberger zurück über Koti, Admiralstraße zurück zum Gräfekiez.
Mister MN mobil

Mister MN mobil

MISTER MN

MISTER MN


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Weihnachten mit der deutschen Bundesbahn

Eigentlich ist mein Pech mit der Bahnfahrerei keinen Blogeintrag wert. Die Bahn hat nunmal seit der Existenz Mehdorns als Vorstandsvorsitzender  ihr Päkchen zu tragen.  In der Hoffnung auf fette Bonuszahlungen nach einem erfolgreichen Börsengang sparte und kürzte Herr Mehdorn die Bahn schlichtweg kaputt! Und das über Jahre. Die Folgen sind auch schon seit Jahren sichtbar. Man betrachte sich nur mal das S-Bahn Chaos in Berlin. Aufgrund von Sparmassnahmen wurden katastrophale Fehlentscheidungen in der Führungsriege getroffen und der Fahrgast muss es ausbaden. Herr Mehdorn und Konsorten haben den qualitativ hochwertigen Standard der Bahn rigoros und mit Vorsatz demontiert.

Ich erinnere mich noch an Werbeslogans der Bahn aus den 70ern: „Wetter ist uns doch egal. Wir fahren.“ oder „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ Und das stimmte, egal wie die Witterung war, auf die Bahn war immer Verlass. Die Züge frästen sich durch das Wetter und brachten die Fahrgäste zuverlässig ans Ziel. In dieser Zeit war ich auf die Bahn angewiesen und fuhr jeden Tag mehr als 30 km mit diesem Verein. Egal bei welchem Wetter. Die Bahn kam immer.

Dieses „Qualitätsmerkmal“ hat die Bahn schon lange verloren. Man betrachte sich mal das Verkehrswesen der Bahn. Es ist von Jahr zu Jahr schlechter geworden. Auch die Sicherheitsrichtlinien werden mit Füßen getreten. In diesem Winter gab es bislang drei tote Bahnmitarbeiter, die bei der Gleisenteisung durch einfahrende Züge ums Leben gekommen sind. Früher war es mal Standard, solche Enteisungen nur zu Dritt auszuführen. Einer sichert, und behält die Strecke im Auge und warnt per Tröte die Gleisarbeiter vor kommenden Zügen. Dieser dritte Mann zur Streckensicherung ist bei der Bahn aus Kostengründen eingespart worden. Seitdem sterben auch wieder Gleisarbeiter in Deutschland.  Ein Schelm wer Herrn Mehdorn da einen Vorwurf draus stricken sollte…..  Er hat ja auch so einigen Untersuchungsausschüssen getrotzt. Dabei ist sein Fehlverhalten (ich nenne das in seinem Fall gern egoistischenKapitalfaschismus) so offensichtlich und die Regierung hat ihn machen lassen. Ok, ein Relikt aus der Kohl Ära. Peinlich und offensichtlich unfähig. Herr Mehdorn ist auch einer der ausgeprägesten Nieten in Nadelstreifen die je in der Öffentlichkeit aufgetreten sind. Herr Rösler von der FDP ist kurz davor ihm den Rang abzulaufen. Aber das ist ein anderes Thema. Seit Herrn Mehdorn hat die Bahn arge Probleme ihre Statistiken sauber zu halten. Wieviel % der fahrenden ICE’s weisen Mängel auf? Wie oft kommen Züge zu spät? Wieviele Züge fallen aus? Was war mit prolongierten Wartungsabständen? und und und. Fazit: Die Bahn ist ein desaströses Unternehmen geworden. Das glauben sie nicht? Dann lesen sie mal bitte weiter und beurteilen sie selbst:

Es ist früh am 21.12.2010.  Wir sind Weihnachten in Münster verabredet und haben schon vor Wochen im Internet ein Sparticket gebucht. Eine Sitzplatzreservierung war damals schon nicht mehr möglich. Seit Tagen hören wir schon in den Nachrichten Meldungen über das Verkehrschaos in Deutschland und sind neugierig ob unser Zug überhaupt fährt und sind gespannt wie das Wetter sein würde.

Ein Blick auf die Webseite der Bahn zeigt mir das es massive Behinderungen im Bahnverkehr geben wird. Mein Zug (ICE940 nach Hamm) ist getrichen. Alle Reservierungen sind allgemein storniert. Ich werde auf den ICE 2800 verwiesen nach Düsseldorf. Ist mir recht, Hauptsache die Büchse kommt irgendwann in Hamm an. Geplant war der Zustieg auf den Zug in Berlin Hbf. Da dieser Zug einen Bahnhof vorher startet, sind wir mit einem Taxi dorthin, um eine Station vorher im Zug zu sitzen und die Schlägerei um eine Mitfahrt am Hbf zu umgehen. Aus den Nachrichten wußten wir, das selbst Fahrgäste mit Reservierungen nicht in die Züge einsteigen konnten weil die einfach zu voll waren. Die Bahn hatte mit ihrem Krisenmanagement komplett versagt und hat alle Fahrpläne bis einschl. 29.12. gestrichen und neu aufgesetzt. Am Ostahnhof warten wir auf die Einfahrt des Zuges und hofften auf einen Sitzplatz. Reservierungen gab es nicht mehr, also sollte man im Zug sicher einen Platz finden. Das klappte auch ganz gut. Der Zug kam, wir stiegen in den ICE2800 nach Düsseldorf, fanden sofort einen Sitzplatz und machen es uns bequem.  Die nächste Station ist Berlin-Hbf. Menschenmassen mit Gepäck auf den Bahnsteigen als wir in den Bahnhof einfahren. Was mir entgangen war, war die Tatsache, daß die Bahn den ICE2800 auf dem Weg zum Hbf zum ICE940 umbenannt hat. (ICE940 fiel nämlich wegen eines Triebwerkschadens komplett aus) Damit dachten alle Fahrgäste am Hbf das ihre Reservierung gültig wäre. Wir, die wir bereits im Zug saßen wußten ja das alle Reservierungen ungültig erklärt wurden und harten der Dinge die da kommen sollte. Die Menschen strömten in den Zug, suchten ihren Wagen und ihre Sitzplätze (die schon besetzt waren) und fingen an zu diskutieren. „Ich hab reserviert- das ist mein Platz“….Diese Diskussionen wurde immer lauter, teilweise erwartete ich Handgreiflichkeiten weil einige Fahrgäste extrem genervt zu sein schienen. Nach einer halben Stunde Aufenthalt, unzähligen Diskussion wieso ich meine Sitzplatz nicht hergebe, ganz vielen Fahrgästen die stehend im Mittelgang stehen müssen, Durchsagen von Mitarbeitern, Aggressionen von frustrierten Fahrgästen und ganz vielen genervt schreienden Kindern, setzten wir unsere Fahrt Richtung Spandau fort. Gespannt wartend, wieviele Fahrgäste wohl noch dort in den Zug klettern wollen. Es waren dann doch nicht ganz so viele, aber die Diskussionen begannen erneut. Die Leute brauchten ewig um in den Zug zu kommen und mit einer weiteren halben Stunde Standzeit ging die Fahrt Richtung Hannover. Die Aggressionen hatten sich gelegt  (dank der pfiffigen Schaffnerin an Board, die ich lobenswert erwähne!!!) und die Fahrt ging recht entspannt weiter. Bis auf die Kinder. Die hatten eigentlich alle Kinderabteil gebucht. Aber dieser Revervierung war ja aufgehoben. So saßen alle Muttis in meinem Wagon. Mit Kindern. Die Geräuschkulisse war schon heftig und einige Mütter auch total überfordert mit der Situation. Aber auch das war zu ertragen, Hauptsache wir kommen in Hamm an.  Hannover musste noch überwunden werden. Das würde so ähnlich werden wie am Berliner Hbf. Es wurde aber noch schlimmer als in Berlin. Hannover, Drehkreuz für die Nord-Süd und Ost-West Achse. Da ist immer was los und das Fahrgastaufkommen absehbar groß.  Und so hatten wir wieder unzählige Diskussion, aggressive Fahrgäste und totales Chaos im Zug. Ich wäre mal gern auf die Toilette gegangen zwischendurch, aber das hat man sich besser geschenkt. Wir verließen Hannover Hauptbahnhof Richtung Bielefeld.

Die Zugtüren waren geschlossen, es wurde langsam wieder warm im Zug. Seit Berlin las man auf den digitalen Hinweistafeln im ICE folgende Meldungen:

„Fahren sie entspannt an ihr Ziel. Sitzplatzreservierung der Bahn in ihrem DB Reiszentrum. “

„Reservieren Sie Ihren Sitzplatz. Entspannt reisen. Deutschlandweit. Buchen Sie unter 01805 3737373″ (die tel.nr. ist nur ein Bsp.)

…und diverse andere Werbeslogans der Bahn erschienen dort in regelmäßigen Abständen. Das Lesen dieser Meldungen mutierte immer mehr zu Farce und einige Fahrgäste regten sich offen über diese Art der Werbung unter diesen Umständen auf. Verständlich. sowas darf einen Unternehmen dieser Größenordnung eigentlich nicht passieren. Die Schaffnerin in unserem Zug erschien zeitweise im Abteil um Fragen zu beantworten und rettete die Fahrt im Allgemeinen durch ihr lockere rheinische Frohnatur. Dabei hatte sie eigentlich frei. Die Bahn kann froh sein, solche Mitarbeiter zu haben!

Und dann kam schon der nächste Aufruf: “ Aufgrund der Tatsache das unser Zug völlig überladen ist, bitten wir einige Fahrgäste in Bielefeld auszusteigen. Ansonsten kann die Fahrt nicht fortgesetzt werden. Sie erhalten als Entschädigung einen Reisegutschein in Höhe von 25 euro, wenn sie in Bielefeld diesen Zug verlassen und auf den nächsten Zug warten. Wir appelieren an ihre Vernunft.“ Was soll denn diese Frechheit schon wieder? Ich werde nicht aussteigen! Und wenn die an meinen Füssen ziehen, ist mir egal. Ich bleib sitzen. Und wenn der Zug morgen noch hier steht. Mir egal! Ich bin sichtlich genervt von dem Prozedre und mir reichts. Ich will nach Hamm. Mehr nicht. Ich hatte keine Abenteuerfahrt gebucht.  Die Durchsage in Bezug auf das Aussteigen in Bielefeld ertönte erneut über die Lautsprecher, und das noch mehrmals auf dem Weg nach Bielefeld. In Bielefeld selbst stiegen zwar regulär Fahrgäste aus, aber es reichte wohl nicht. Die Durchsage wurde erneut mehrmals über die Lautsprecher verkündet und es stiegen tatsächlich Fahrgäste aus. Allerdings hatten die eh keine Sitzplatz. Komische Dienstleistung die einen auffordert auf die angeforderte Dienstleistung zu verzichten und ein Paradox in sich. Aber egal.

Wer stellt sich bitteschön für einen 25 Euro Reisegutschein stundenlang in die Schlange im Reisezentrum? Den versprochenen Gutschein zu erhalten ist also auch gar nicht so einfach, wenn man den nächsten Zug erreichen will. Ein Witz was die Bahn da versucht und eine Unverschämtheit. Wieso lassen die soviele Fahrgäste in den Zug einsteigen wenn die an der nächsten Station wieder rausgeschmissen werden. Ich komm mir vor wie in einen Roadmovie in Bangladesh. Da würde mich sowas nicht wundern. Das sowas in Deutschland vorkommen kann wundert mich schon. Hauptsache die Bahn hat massig Tickets verkauft und gute Gewinne mit dem Weihnachtsgeschäft erzielt. Es ist offentsichtlich das die Bahn nicht mehr hauptsächlich an ihre Kunden denkt, es geht nur noch darum maximale Gewinne einzufahren. Auf Teufel komm raus…. egal wieviele Menschen sich in den Zug quetschen müssen. Je mehr reinpassen, desto besser. Wer Sonntags abends schonmal von Köln mit einem ICE nach Berlin reisen wollte weiß wovon ich spreche. Trotz extrem hohem Fahrgastaufkommens wird der ICE961 nach Berlin nicht erweitert. Jedes Wochenende die gleichen Szenen in diesem ICE. Die Bahn hat auch ihre Lernfähigkeit verloren. Bitter. Und das bei diesen Fahrpreisen die eh schon viel zu hoch sind.

Wir stehen immer noch in Bielefeld. Die Aufforderung an unsere Vernunft ertönt erneut. Ich bewege mich kein Stück und hätte jetzt gerne ne Flasche Sekt und zwei Gläser. Und kann mal jemand die Tür zumachen? Es ist bitterkalt draußen und die Temperatur im ICE ist nur 2 Grad höher. Irgendwann ertönt das Signal zum Türenschließen und der Zug fährt tatsächlich Richtung Hamm.  Die Lage an Board ist sichtlich entspannter. Unseren Anschlusszug in Hamm haben wir verpasst, aber egal.  Es kommt ein RE nach Rheine. Wir steigen ein und sind 20 Minuten später am Ziel. Wir werden vom Bahnhof abgeholtl. In Münster liegt Schnee. Viel Schnee. Und es ist nichts geräumt. Die Strassen in Münster sind mit einer dichten Schneedecke abgedeckt und das Auto fahren ist ein Abenteuer. Trotzdem sind wir froh heil angekommen zu sein. Aber….

…. übermorgen muss ich mit dem Zug nach Koblenz. Ich hoffe das wird kein Abenteuer.

Es ist ja schließlich das erste Mal seit Entstehung dieser Republik, daß Schnee liegt. Anders kann ich mir dieses Chaos nicht erklären. Und jetzt kommt mir bloß nicht mit „früher war alles besser“…. wir hatten nur mehr Streusalz auf Halde und ein wenig mehr Personal um solche Fälle zu vermeiden.

Fazit: Es hat sich leider bestätigt was seit Jahren geunkt wird. Die Firmenpolitik Mehdorns und seiner Jünger zu Zeiten seiner Vorstandszeit hat die Bahn in der Öffentlichkeit  enorm viel Image gekostet. Aus einem zuverlässigen Staatsbetrieb hat man innerhalb kürzester Zeit ein marodes Verkehrsunternehmen gemacht. Das war ganze Arbeit die sich auch nicht mehr rückgängig machen lässt. Damit hinterlässt Mehdorn der Bahn einen Imageschaden, der sich in den nächsten Jahren nicht mehr reparieren lässt. Dafür fehlt nicht nur das Geld, sondern auch entsprechend verbesserte Dienstleistung.  Da ist der neue Vorstand, wie er  momentan die Bahn regiert, kein Stück besser. Man hat nichts dazu gelernt und verfolgt immer noch das alte Ziel: Bringt die Bahn an die Börse und verramscht das Staatseigentum Bahn als Bonuszahlungen für ihren Vorstand. Hauptsache die haben dick Geld in der Tasche. Dann können sie sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und sich gegenseitig zum Erfolg gratulieren. Währendessen steht Oma Schulz immer noch am Fahrkartenautomat und versucht seit 2 Tagen einen Fahrschein zu ziehen.

Frohes Fest und eine guten Rutsch aus Münster.

Nachtrag: Heute schneit es immer noch ohne Unterlass. Sieht schön aus, aber das Chaos der Bahn setzt sich fort. Heute sogar in dramatischen Ausmaßen. Lesen sie selbst auf Spiegel Online die aktuelle Meldung.