Frischfisch

fish life reporting

MISTER MN


2 Kommentare

Wer ist MISTER MN? Die Stadt sucht einen Sprayer.

Sonnenscheinspaziergänge durch Kreuzbergs Kiez nutze ich oft um Fotos zu schießen und den Strassenflair ein wenig einzufangen. In den letzten Wochen ist mir häufiger ein Tagger aufgefallen, der gerne auf wild entsorgte Kühlschränke taggt. Sein Pseudonym:

MISTER MN

In der Nähe der Hasenheide fiel mir ein Kühlschrank auf. Schön bunt getaggt mit Unterschrift von dem mysteriösen MISTER MN.

Mister Mn Fridge
Mister MN Fridge

Das jemand durch  Kreuzberg läuft und den illegal entsorgten Sperrmüll taggt find ich ja gut.
Sperrmüll wächst in Kreuzberg über Nacht am Straßenrand und in dunklen Ecken wo nachts keiner sein will. Morgens steht dann überraschenderweise eine komplett runtergeranzte Kücheneinrichtung am nächsten Baum und niemand hat gesehen wie es gewachsen ist. Räumt man das nicht binnen weniger Tage weg, vermehrt sich das ungewollt. Matrazen und inzwischen auch ganz oft noch intakte Röhrenfernseher gesellen sich in den nächsten Tagen zu dieser Einrichtung. Einfach grausam ausgesetzt. Wer adoptiert noch Röhrenfernseher heutzutage?

Aber zurück zu MISTER MN.
In „meinem“ Kiez muss der nachts unterwegs sein. Im „Gräfekiez“ war ich heute mal wieder spazieren bis runter zur Hasenheide.  Der Kühlschrank steht nicht mehr da. Da liegt jetzt nur eine lausige Schrankwand die keiner mehr haben will. Es ist zwar mieses Licht um Fotos zu machen, aber dank digitaler Technik werden die Bilder trotzdem was und es dauerte auch nicht lange um MISTER MN’s Spuren zu verfolgen. Janstraße…. ein getaggter Kühlschrank. Nicht so schick wie der letzte, aber der Tagg kommt mir bekannt vor. Wenn das nicht die Spur von MSTER MN ist? Zwar hat er nicht signiert diesmal, aber die Sprache ist eindeutig wie mir scheint. Das ist seine Handschrift.
Ich setzte meine Weg weiter fort und laufe Richtung Zickenplatz. Da war MISTER MN auch schon. Breit und Fett auf der Hauswand:
Das is diesmal aber kein Sperrmüll.  Breit die Hauswand verschönert. Die ist eh schon total zugetaggt und das Haus will eh keiner streichen. Lohnt sich nicht in Kreuzberg wenn man nicht für tausende von Euros eine Spezial-Anti-Graffiti-Beschichtung auf die Wand aufbringt. Da haben die Hausbesitzer irgendwie recht. Schafft bloss keine Freiflächen für böse Tagger.
Es gibt aber trotzdem genug freie Fläche die man
zusprühen kann. Und das weiß auch unser MISTER MN, sowie alle anderen Tagger aus der Gegend. Irgendwann fällt auch die beste  Farbe vom Putz und dann ist wieder Platz für Neues.
Immer noch Janstraße am Zickenplatz. MISTER MN hat sich hier alle 30 meter irgendwo verewigt. Jetzt gehen wieder die Diskussionen los wegen Sachbeschädigung, Kiezverschandelung (was für ein Wort)und aufgebrummte Sozialstunden vom Gericht. Von mir aus kann der taggen wo er will. So richtig die Sau rausgelassen hat er nocht nicht. Zumindest hab ich nix gesehen. Es gibt einige Tagger wo ich den Kopf schüttele. Grade auf Statuen und Skulpturen (sei es Kunst oder nicht) finde ich die Taggerei nicht gut. Guckt euch mal die Wassertöpfe am Marheinekeplatz an. Die Taggs sind schaize und völlig fehl am Platz. Das hat da nix verloren. Kunst, Kultur und Denkmäler sollte man in Ruhe lassen. Öde Beton- und Hauswände schreien dagegen ja förmlich nach Farbe. Das weiß auch  MISTER MN.
MISTER MN - Hasenheide
Hasenheide kurz vor der BAUHAUS Ausfahrt auf der rechten Seite find ich ihn wieder. Ich bin auf dem Weg zum Fitnessstudio und da sticht mir sein Tagg wieder ins Auge. Kamera raus und knips.
Da war er auch schon öfters wie man sieht. Die Werbetafel auf dem Bauhaus Parkplatz ist auch von ihm.

Irgendwann werde ich das Rätsel lösen wenn man mich lässt. Eventuell verschwindet MISTER MN genauso schnell wieder wie er aufgetaucht ist. Wer weiß ob sich das Rätsel jemals lösen lässt?
Ich jedenfalls erkenne seine Tags inzwischen auch ohne Signatur. Sollten Sie MISTER MN irgendwo sehen, wo ich noch nicht fotografiert habe, würde ich mich über einen Kommentar von Ihnen (mit Ortsangabe) freuen.
Nachtrag (18.01.2011)
Beim Spaziergang durch 36 im Bereich des Landwehrkanals findet man öfter seine Handschrift.
Mein Weg führte mich erst durch Kreuzkölln
bis zum Kanal. Dann über die Reichenberger zurück über Koti, Admiralstraße zurück zum Gräfekiez.
Mister MN mobil

Mister MN mobil

MISTER MN

MISTER MN


6 Kommentare

Weihnachten mit der deutschen Bundesbahn

Eigentlich ist mein Pech mit der Bahnfahrerei keinen Blogeintrag wert. Die Bahn hat nunmal seit der Existenz Mehdorns als Vorstandsvorsitzender  ihr Päkchen zu tragen.  In der Hoffnung auf fette Bonuszahlungen nach einem erfolgreichen Börsengang sparte und kürzte Herr Mehdorn die Bahn schlichtweg kaputt! Und das über Jahre. Die Folgen sind auch schon seit Jahren sichtbar. Man betrachte sich nur mal das S-Bahn Chaos in Berlin. Aufgrund von Sparmassnahmen wurden katastrophale Fehlentscheidungen in der Führungsriege getroffen und der Fahrgast muss es ausbaden. Herr Mehdorn und Konsorten haben den qualitativ hochwertigen Standard der Bahn rigoros und mit Vorsatz demontiert.

Ich erinnere mich noch an Werbeslogans der Bahn aus den 70ern: „Wetter ist uns doch egal. Wir fahren.“ oder „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ Und das stimmte, egal wie die Witterung war, auf die Bahn war immer Verlass. Die Züge frästen sich durch das Wetter und brachten die Fahrgäste zuverlässig ans Ziel. In dieser Zeit war ich auf die Bahn angewiesen und fuhr jeden Tag mehr als 30 km mit diesem Verein. Egal bei welchem Wetter. Die Bahn kam immer.

Dieses „Qualitätsmerkmal“ hat die Bahn schon lange verloren. Man betrachte sich mal das Verkehrswesen der Bahn. Es ist von Jahr zu Jahr schlechter geworden. Auch die Sicherheitsrichtlinien werden mit Füßen getreten. In diesem Winter gab es bislang drei tote Bahnmitarbeiter, die bei der Gleisenteisung durch einfahrende Züge ums Leben gekommen sind. Früher war es mal Standard, solche Enteisungen nur zu Dritt auszuführen. Einer sichert, und behält die Strecke im Auge und warnt per Tröte die Gleisarbeiter vor kommenden Zügen. Dieser dritte Mann zur Streckensicherung ist bei der Bahn aus Kostengründen eingespart worden. Seitdem sterben auch wieder Gleisarbeiter in Deutschland.  Ein Schelm wer Herrn Mehdorn da einen Vorwurf draus stricken sollte…..  Er hat ja auch so einigen Untersuchungsausschüssen getrotzt. Dabei ist sein Fehlverhalten (ich nenne das in seinem Fall gern egoistischenKapitalfaschismus) so offensichtlich und die Regierung hat ihn machen lassen. Ok, ein Relikt aus der Kohl Ära. Peinlich und offensichtlich unfähig. Herr Mehdorn ist auch einer der ausgeprägesten Nieten in Nadelstreifen die je in der Öffentlichkeit aufgetreten sind. Herr Rösler von der FDP ist kurz davor ihm den Rang abzulaufen. Aber das ist ein anderes Thema. Seit Herrn Mehdorn hat die Bahn arge Probleme ihre Statistiken sauber zu halten. Wieviel % der fahrenden ICE’s weisen Mängel auf? Wie oft kommen Züge zu spät? Wieviele Züge fallen aus? Was war mit prolongierten Wartungsabständen? und und und. Fazit: Die Bahn ist ein desaströses Unternehmen geworden. Das glauben sie nicht? Dann lesen sie mal bitte weiter und beurteilen sie selbst:

Es ist früh am 21.12.2010.  Wir sind Weihnachten in Münster verabredet und haben schon vor Wochen im Internet ein Sparticket gebucht. Eine Sitzplatzreservierung war damals schon nicht mehr möglich. Seit Tagen hören wir schon in den Nachrichten Meldungen über das Verkehrschaos in Deutschland und sind neugierig ob unser Zug überhaupt fährt und sind gespannt wie das Wetter sein würde.

Ein Blick auf die Webseite der Bahn zeigt mir das es massive Behinderungen im Bahnverkehr geben wird. Mein Zug (ICE940 nach Hamm) ist getrichen. Alle Reservierungen sind allgemein storniert. Ich werde auf den ICE 2800 verwiesen nach Düsseldorf. Ist mir recht, Hauptsache die Büchse kommt irgendwann in Hamm an. Geplant war der Zustieg auf den Zug in Berlin Hbf. Da dieser Zug einen Bahnhof vorher startet, sind wir mit einem Taxi dorthin, um eine Station vorher im Zug zu sitzen und die Schlägerei um eine Mitfahrt am Hbf zu umgehen. Aus den Nachrichten wußten wir, das selbst Fahrgäste mit Reservierungen nicht in die Züge einsteigen konnten weil die einfach zu voll waren. Die Bahn hatte mit ihrem Krisenmanagement komplett versagt und hat alle Fahrpläne bis einschl. 29.12. gestrichen und neu aufgesetzt. Am Ostahnhof warten wir auf die Einfahrt des Zuges und hofften auf einen Sitzplatz. Reservierungen gab es nicht mehr, also sollte man im Zug sicher einen Platz finden. Das klappte auch ganz gut. Der Zug kam, wir stiegen in den ICE2800 nach Düsseldorf, fanden sofort einen Sitzplatz und machen es uns bequem.  Die nächste Station ist Berlin-Hbf. Menschenmassen mit Gepäck auf den Bahnsteigen als wir in den Bahnhof einfahren. Was mir entgangen war, war die Tatsache, daß die Bahn den ICE2800 auf dem Weg zum Hbf zum ICE940 umbenannt hat. (ICE940 fiel nämlich wegen eines Triebwerkschadens komplett aus) Damit dachten alle Fahrgäste am Hbf das ihre Reservierung gültig wäre. Wir, die wir bereits im Zug saßen wußten ja das alle Reservierungen ungültig erklärt wurden und harten der Dinge die da kommen sollte. Die Menschen strömten in den Zug, suchten ihren Wagen und ihre Sitzplätze (die schon besetzt waren) und fingen an zu diskutieren. „Ich hab reserviert- das ist mein Platz“….Diese Diskussionen wurde immer lauter, teilweise erwartete ich Handgreiflichkeiten weil einige Fahrgäste extrem genervt zu sein schienen. Nach einer halben Stunde Aufenthalt, unzähligen Diskussion wieso ich meine Sitzplatz nicht hergebe, ganz vielen Fahrgästen die stehend im Mittelgang stehen müssen, Durchsagen von Mitarbeitern, Aggressionen von frustrierten Fahrgästen und ganz vielen genervt schreienden Kindern, setzten wir unsere Fahrt Richtung Spandau fort. Gespannt wartend, wieviele Fahrgäste wohl noch dort in den Zug klettern wollen. Es waren dann doch nicht ganz so viele, aber die Diskussionen begannen erneut. Die Leute brauchten ewig um in den Zug zu kommen und mit einer weiteren halben Stunde Standzeit ging die Fahrt Richtung Hannover. Die Aggressionen hatten sich gelegt  (dank der pfiffigen Schaffnerin an Board, die ich lobenswert erwähne!!!) und die Fahrt ging recht entspannt weiter. Bis auf die Kinder. Die hatten eigentlich alle Kinderabteil gebucht. Aber dieser Revervierung war ja aufgehoben. So saßen alle Muttis in meinem Wagon. Mit Kindern. Die Geräuschkulisse war schon heftig und einige Mütter auch total überfordert mit der Situation. Aber auch das war zu ertragen, Hauptsache wir kommen in Hamm an.  Hannover musste noch überwunden werden. Das würde so ähnlich werden wie am Berliner Hbf. Es wurde aber noch schlimmer als in Berlin. Hannover, Drehkreuz für die Nord-Süd und Ost-West Achse. Da ist immer was los und das Fahrgastaufkommen absehbar groß.  Und so hatten wir wieder unzählige Diskussion, aggressive Fahrgäste und totales Chaos im Zug. Ich wäre mal gern auf die Toilette gegangen zwischendurch, aber das hat man sich besser geschenkt. Wir verließen Hannover Hauptbahnhof Richtung Bielefeld.

Die Zugtüren waren geschlossen, es wurde langsam wieder warm im Zug. Seit Berlin las man auf den digitalen Hinweistafeln im ICE folgende Meldungen:

„Fahren sie entspannt an ihr Ziel. Sitzplatzreservierung der Bahn in ihrem DB Reiszentrum. “

„Reservieren Sie Ihren Sitzplatz. Entspannt reisen. Deutschlandweit. Buchen Sie unter 01805 3737373″ (die tel.nr. ist nur ein Bsp.)

…und diverse andere Werbeslogans der Bahn erschienen dort in regelmäßigen Abständen. Das Lesen dieser Meldungen mutierte immer mehr zu Farce und einige Fahrgäste regten sich offen über diese Art der Werbung unter diesen Umständen auf. Verständlich. sowas darf einen Unternehmen dieser Größenordnung eigentlich nicht passieren. Die Schaffnerin in unserem Zug erschien zeitweise im Abteil um Fragen zu beantworten und rettete die Fahrt im Allgemeinen durch ihr lockere rheinische Frohnatur. Dabei hatte sie eigentlich frei. Die Bahn kann froh sein, solche Mitarbeiter zu haben!

Und dann kam schon der nächste Aufruf: “ Aufgrund der Tatsache das unser Zug völlig überladen ist, bitten wir einige Fahrgäste in Bielefeld auszusteigen. Ansonsten kann die Fahrt nicht fortgesetzt werden. Sie erhalten als Entschädigung einen Reisegutschein in Höhe von 25 euro, wenn sie in Bielefeld diesen Zug verlassen und auf den nächsten Zug warten. Wir appelieren an ihre Vernunft.“ Was soll denn diese Frechheit schon wieder? Ich werde nicht aussteigen! Und wenn die an meinen Füssen ziehen, ist mir egal. Ich bleib sitzen. Und wenn der Zug morgen noch hier steht. Mir egal! Ich bin sichtlich genervt von dem Prozedre und mir reichts. Ich will nach Hamm. Mehr nicht. Ich hatte keine Abenteuerfahrt gebucht.  Die Durchsage in Bezug auf das Aussteigen in Bielefeld ertönte erneut über die Lautsprecher, und das noch mehrmals auf dem Weg nach Bielefeld. In Bielefeld selbst stiegen zwar regulär Fahrgäste aus, aber es reichte wohl nicht. Die Durchsage wurde erneut mehrmals über die Lautsprecher verkündet und es stiegen tatsächlich Fahrgäste aus. Allerdings hatten die eh keine Sitzplatz. Komische Dienstleistung die einen auffordert auf die angeforderte Dienstleistung zu verzichten und ein Paradox in sich. Aber egal.

Wer stellt sich bitteschön für einen 25 Euro Reisegutschein stundenlang in die Schlange im Reisezentrum? Den versprochenen Gutschein zu erhalten ist also auch gar nicht so einfach, wenn man den nächsten Zug erreichen will. Ein Witz was die Bahn da versucht und eine Unverschämtheit. Wieso lassen die soviele Fahrgäste in den Zug einsteigen wenn die an der nächsten Station wieder rausgeschmissen werden. Ich komm mir vor wie in einen Roadmovie in Bangladesh. Da würde mich sowas nicht wundern. Das sowas in Deutschland vorkommen kann wundert mich schon. Hauptsache die Bahn hat massig Tickets verkauft und gute Gewinne mit dem Weihnachtsgeschäft erzielt. Es ist offentsichtlich das die Bahn nicht mehr hauptsächlich an ihre Kunden denkt, es geht nur noch darum maximale Gewinne einzufahren. Auf Teufel komm raus…. egal wieviele Menschen sich in den Zug quetschen müssen. Je mehr reinpassen, desto besser. Wer Sonntags abends schonmal von Köln mit einem ICE nach Berlin reisen wollte weiß wovon ich spreche. Trotz extrem hohem Fahrgastaufkommens wird der ICE961 nach Berlin nicht erweitert. Jedes Wochenende die gleichen Szenen in diesem ICE. Die Bahn hat auch ihre Lernfähigkeit verloren. Bitter. Und das bei diesen Fahrpreisen die eh schon viel zu hoch sind.

Wir stehen immer noch in Bielefeld. Die Aufforderung an unsere Vernunft ertönt erneut. Ich bewege mich kein Stück und hätte jetzt gerne ne Flasche Sekt und zwei Gläser. Und kann mal jemand die Tür zumachen? Es ist bitterkalt draußen und die Temperatur im ICE ist nur 2 Grad höher. Irgendwann ertönt das Signal zum Türenschließen und der Zug fährt tatsächlich Richtung Hamm.  Die Lage an Board ist sichtlich entspannter. Unseren Anschlusszug in Hamm haben wir verpasst, aber egal.  Es kommt ein RE nach Rheine. Wir steigen ein und sind 20 Minuten später am Ziel. Wir werden vom Bahnhof abgeholtl. In Münster liegt Schnee. Viel Schnee. Und es ist nichts geräumt. Die Strassen in Münster sind mit einer dichten Schneedecke abgedeckt und das Auto fahren ist ein Abenteuer. Trotzdem sind wir froh heil angekommen zu sein. Aber….

…. übermorgen muss ich mit dem Zug nach Koblenz. Ich hoffe das wird kein Abenteuer.

Es ist ja schließlich das erste Mal seit Entstehung dieser Republik, daß Schnee liegt. Anders kann ich mir dieses Chaos nicht erklären. Und jetzt kommt mir bloß nicht mit „früher war alles besser“…. wir hatten nur mehr Streusalz auf Halde und ein wenig mehr Personal um solche Fälle zu vermeiden.

Fazit: Es hat sich leider bestätigt was seit Jahren geunkt wird. Die Firmenpolitik Mehdorns und seiner Jünger zu Zeiten seiner Vorstandszeit hat die Bahn in der Öffentlichkeit  enorm viel Image gekostet. Aus einem zuverlässigen Staatsbetrieb hat man innerhalb kürzester Zeit ein marodes Verkehrsunternehmen gemacht. Das war ganze Arbeit die sich auch nicht mehr rückgängig machen lässt. Damit hinterlässt Mehdorn der Bahn einen Imageschaden, der sich in den nächsten Jahren nicht mehr reparieren lässt. Dafür fehlt nicht nur das Geld, sondern auch entsprechend verbesserte Dienstleistung.  Da ist der neue Vorstand, wie er  momentan die Bahn regiert, kein Stück besser. Man hat nichts dazu gelernt und verfolgt immer noch das alte Ziel: Bringt die Bahn an die Börse und verramscht das Staatseigentum Bahn als Bonuszahlungen für ihren Vorstand. Hauptsache die haben dick Geld in der Tasche. Dann können sie sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und sich gegenseitig zum Erfolg gratulieren. Währendessen steht Oma Schulz immer noch am Fahrkartenautomat und versucht seit 2 Tagen einen Fahrschein zu ziehen.

Frohes Fest und eine guten Rutsch aus Münster.

Nachtrag: Heute schneit es immer noch ohne Unterlass. Sieht schön aus, aber das Chaos der Bahn setzt sich fort. Heute sogar in dramatischen Ausmaßen. Lesen sie selbst auf Spiegel Online die aktuelle Meldung.


6 Kommentare

„Das Leben sucht sich immer einen Weg“….

…diesen Satz hörte ich das erste Mal in dem Film „Jurassic Park„.  Ein Wissenschaftler stellte die Schutzmechanismen in Frage, die andere Wissenschaftler geschaffen hatten, um ihre Dinosaurierexperimente im Zaum zu halten und eine mögliche Vermehrung derselben auszuschließen. Aber die Vermehrung begann, die Dinosaurier schlüpften und fraßen die Wissenschaftler und ihre Frauen einfach auf…….das Leben sucht sich immer einen Weg. Eine Erfahrung die ich im Tierreich öfters beobachten konnte.  Das ist so ähnlich wie die vertrocknete Topfpflanze die jahrelang auf der Fensterbank steht. Auch wenn die vertrocknete Topfpflanze kein Tier ist. Im nächsten Frühjahr und der zufälligen Zugabe von Wasser taucht doch wieder ein kleiner grüner Trieb auf und die Pflanze treibt aus. Totgesagte leben länger (kleiner Witz… nicht falsch verstehen)

Der Artikel hier bezieht sich aber hier eher auf die urbanen Lebensräume „wilder“ Tiere. Hier in Berlin-Kreuzberg findet man öfter skurile Situationen mit wilden Tieren. Und damit meine ich nicht irgendwelche Ratten oder der entlaufene Taggecko vom Nachbarn nebenan. Hier in Berlin gibt es auch so einige Gäste. Diese kehren so langsam auch in diese Stadt zurück und wer ist nachts in Xberg noch nie dem dicken Fuchs begegnet, der vor Burger King die weggeworfenen Wopper-Tüten plündert? Die Stichlings-Population im Wasserfall vom Viktoriapark? Die wilde Population der Biber auf der Havel, die Wildschweine in und um die Stadt, die schon eine echte Plage sind und die Vorgärten verwüsten. Achja, noch zu erwähnen die Marderhunde (ugs. auch gern Mink genannt, werden oft mit dem Waschbär verwechselt) aus dem westlichen Ural sind bereits in Berlin unterwegs…..nur die Wölfe, die in Brandenburg inzwischen frei unterwegs sind lassen sich hier noch nicht blicken. Es geht mir hier aber eigentlich nur um die Stichlingspopulation im Wasserfall am Victoriapark, der von den Einheimischen hier „Kreuzberg“ oder einfach nur „Kreuzer“ genannt wird, der namensgebend für diesen Bezirk steht in dem ich wohne.

trockener Wasserfall im Herbst

trockener Wasserfall im Herbst

Der Wasserfall, indem der dreistachlige Stichling (Gasterosteus aculeatus) zu finden ist, liegt im Winter komplett trocken. Die Pumpe wird abgestellt sobald der Herbst im vollen Gange ist. Das Wasser wird weniger und sammelt sich an den tiefsten Stellen am Berg. Der kleine Teich am Fuße des Wasserfalls ist mit einer Wasserhöhe von max. 40cm auch nicht frostsicher und friert bei harten Wintern bis zum Boden durch, sollte überhaupt noch etwas Wasser drin sein. Da kommt bei mir doch die Frage auf, wie überleben die Stichlinge den Winter in diesem künstlichen Biotop? Die Frage wird auch schonmal hier gestellt….Vertrocknen oder Erfrieren. Andere Möglichkeiten scheint es nicht zu geben und da die Gasterosteus keine Saisonfische oder Torftaucher sind stellt sich die Frage der Überwinterung. Ein Biotop, was regelmäßig im Oktober austrocknet, bildet nicht unbedingt die Basis für eine stabile Stichlings-Population. Inzwischen ist mir die Lösung des Rätsels bekannt aber erstmal mehr über diesen Wasserfall. Im Sommer ist dieser sehr beliebt. Der Kreuzberg dient als Naherholungsgebiet und Touristenmagnet. Das Victoriaparkdenkmal an der Spitze des „Kreuzers“ ist geschichtsträchtig in den Reiseführern erwähnt und bietet, wenn man erstmal oben ist, einen superschönen Ausblick auf die Skyline der Stadt. Auf den Stufen zum Denkmal wird gern gerastet und so findet man dort den gemeinen Freilufttrinker genauso häufig an wie die Touristen, denen sichtlich die Füsse qualmen.  Aber zurück zum Wasserfall:
Hauptsächlich Kinder und Jugendliche sieht man im Sommer barfuss durch den Wasserfall waten. Typisch urbane Sommerstimmung macht sich breit bei 30°C im Schatten. Die Wiesen ringsherum sind voll mit erholfungsbedürftigen Menschen. Einige Kinder sieht man auch mit kleinen Keschern rumlaufen, wie sie jeder vom Strandurlaub kennt. Sie sammeln in wassergefüllten Gläsern zappelnde Kaulquappen.

Stichling, dreistachlig

Stichling, dreistachlig

Ruhige Zone für die Stichlinge gibt es ausreichend

Ruhige Zone für die Stichlinge gibt es ausreichend

Und ab und zu erwischen sie auch einen Stichling der dann zu den Kaulquappen ins Glas gesperrt wird. Dabei sind sie erst im Hochsommer am ganzen Wasserfall zu finden, sowie den umliegenden Überläufen. Im Frühjahr findet man zuerst nur Trockenheit. Der Wasserfall wird über eine Pumpe mit Wasser versorgt, die im inneren des Kreuzberges installiert ist, genauso wie das dortige Wasser-Reservoir. Ist es warm genug, oder hat der Bezirk genug Geld für das Betreiben freigegeben, wird der Wasserfall spätestens Mai in Betrieb genommen und oben am höchsten Punkt fängt das Wasser an zu fließen und es plätschert der Schwerkraft entgegen. Überall verstreut auf dem Kreuzberg bilden sich Tümpel und kleine Flussläufe die den ganzen Sommer über vor sich hin plätschern und Erholung verbreiten. Wird der komplette Kreislauf durch Regen überflutet, läuft das überschüssige Wasser in die „Wolfsschlucht“ und versickert da Richtung Grundwasser.
Das erste Leben das zu sehen ist in diesen Tagen sind die Wasserläufer und Mückenlarven. Das erste mal bewegt sich was in dem neu angelaufenen  Kreislauf. Gleichzeitig tauchen vereinzelt Schnecken aus  der Radix spec. auf. Haben sich wohl irgendwie ein paar über den harten Winter retten können. Und dann kommen mit den ersten warmen Sonnenstrahlen die Laubfrösche und damit auch die Kaulquappen. Die findet man eigentlich den ganzen Sommer durch… daneben einige Tellerschnecken ( Planorbis spec.) und Spitzschlammschnecken (Radix spec.). Diverse Wasserkäfer und Rückenschwimmer Notonecta spec. lassen sich beobachten, aber die Stichlinge sind noch nicht da. Scheinbar.

Rückenschwimmer, Notonecta spec
Und irgendwann, ein paar Tage später findet man im obersten Gumpen des Wasserfalls die ersten Stichlinge die sich sehr über die schon vorhandenen Mückenlarven freuen und sofort anfangen Nester zu bauen.  Seit einigen Jahren beobachte ich das Schauspiel der Stichlinge. Die Männchen bauen ein Nest, dann wird gebalzt und gelaicht.  Und bis Ende Juli gibt es in jedem Seitenarm, in jedem Gumpen und Tümpel viele Stichlinge, die sich weiter vermehren. Bis zum kalten Oktober, der Wasserfall transportiert viele gelbe Blätter die sich unten sammeln und bevor der Frost kommt schaltet man die Pumpen ab. Der Wasserfall versiegt und das Wasser verschwindet  im Inneren des Kreuzbergs für die nächsten 6 Monate. Von oben herab trocknet das erst kurz geborene Biotop aus und hinterlässt Löcher aus Matsch und Laub. Alles konzentriert sich am Ende in den unteren Becken, die inzwischen mehr Laub beinhalten als Wasser.

die letzte Pfütze vorm Exodus

In den letzten Pfützen sammeln sich die Stichlinge unter dem Laub.

Der letzte größere Tümpel. Im Wasser selbst sind hunderte von Stichlingen, einige Laubfrösche und viele Schnecken.

Massensterben der Stichlinge Da wo das Wasser schon fast komplett abgelaufen ist,  zappeln noch hunderte von Stichlingen. Das eiskalte Drama des Aussterbens erleben die Stichlinge jeden Herbst aufs Neue. Im Moment (27.10.2010) rafft es die Population in den untersten Becken, besser gesagt Pfützen dahin. Was sich die Vögel nicht schnappen bleibt trocken liegen und stirbt zappelnd im nassen Laub.
trockengelegte Stichlinge

trockengelegte Stichlinge

Wasserabfluss

Wasserabfluss am tiefsten Punkt

Schaut man unter das Laub findet man Schnecken, Käfer und an den Sammelstellen die Stichlinge und ab und zu noch ein Laubfrosch. Sie werden den nächsten Winter nicht überleben und trotzdem erscheint die Spezies in der nächsten Warmperiode neu. Mit dem letzten Wasser was im Berg verschwindet, verschwinden auch ein paar Stichlinge. Sie überwintern im Inneren des Kreuzberges. Wer es dorthin geschafft hat wird den Winter überleben. Einige von denen werden mit der alten Pumpe wieder an die Oberfläche gebracht, wo sie sich erneut einen Sommer lang vermehren werden. Wer weiß wann dieses Spiel begonnen hat? Diese Population von Gasterosteus aculeatus auf dem Kreuzberg ist jedenfalls geografisch autark und es besteht keine Verbindung vom Kreuzberg-Habitat zu irgendeinem anderen Habitat in der Umgebung. Man kann diese Art von Gasterosteus evolutionstechnisch schon mit einem eigenen Namenzusatz versehen: „Gasterosteus aculeatus „kreuzbergii“ wär mein Vorschlag für die wissenschaftliche Erstbeschreibung dieser „Nominat“-Form des dreistachligen Stichlings. Hier noch eine schöne Aufnahme aus dem „Kaulquappen“-Glas:

Gasterosteus aculeatus "kreuzbergii

Gasterosteus aculeatus "kreuzbergii"

Ich wünsche den Stichlingen im Berg diesen Winter jedenfalls alles Gute. Ich freue mich wenn ich sie im nächsten Frühjahr wieder im Wasserfall finden sollte. Falls nicht, habe ich dafür gesorgt das ein Ableger dieser Art außerhalb des Wasserfalls überwintern darf und somit bei Totalausfall in der nächsten Saison zur Verfügung stehen würde.

Lesen hier die aktuelle Fortsetzung: Sie sind wieder da!